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Arbeitsblatt - USA

Sie sind die Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika bei der Konferenz von Évian. Erstellen Sie anhand der folgenden Informationen eine Rede und tragen diese vor. Überlegen Sie, welche der folgenden Argumente im Rahmen der Rede öffentlich gemacht werden können und welche besser verborgen bleiben sollten.

Hintergrundinformationen

Einwohnerzahl 1938: etwa 130 Million, darunter ca. 4,7 Millionen Juden (3,6%).

In den 1930er Jahren hatten sich die Vereinigten Staaten von Amerika als globale Supermacht etabliert.

Die USA sind ein Land, das auf Einwanderung aufgebaut ist. So wanderten beispielsweise zwischen 1900 und 1915 mehr als 15 Millionen Europäerinnen und Europäer in die USA ein.

Viele Bürgerinnen und Bürger der USA befürchteten, die angelsächsische und protestantische Kultur in den USA sei durch die Einwanderung gefährdet.

In den 1920er Jahren führte die Zuwanderungsfeindlichkeit zu gesetzlichen Zuwanderungsbeschränkungen, wie etwa Immigrationsquoten (Beschränkung der Anzahl von Menschen, die jedes Jahr aus einem bestimmten Land einwandern dürfen).

Der US-amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt initiierte die Konferenz von Évian (1938).

Hauptargumente des Delegierten der USA bei der Konferenz von Évian

Er weckt Empathie für die deutschen und die österreichischen Juden sowie für die Notwendigkeit, ihnen zu helfen.

Es ist wichtig, Deutschland nicht vor den Kopf zu stoßen. Er ruft deshalb zur Gründung einer internationalen Institution (unter amerikanischer Führung) für die weitere Zusammenarbeit und Verhandlungen mit Deutschland auf.

„Das Problem der politischen Flüchtlinge ist sehr groß und sehr komplex. Bei der ersten zwischenstaatlichen Konferenz können wir wahrscheinlich nicht mehr tun, als eine Maschinerie in Gang zu setzen und diese mit den vorhandenen Mechanismen in Beziehung zu setzen. Langfristig wird das zu einer praktikablen Verbesserung der Lage jener unglücklichen Menschen beitragen, mit denen wir uns befassen.“

„Einige Millionen Menschen … sind, tatsächlich oder potenziell, ohne Land. Die Zahl steigt täglich. Diese Zunahme ereignet sich zudem in einer Zeit, in der in vielen Ländern ein hohes Maß an Arbeitslosigkeit herrscht, die Existenzgrundlagen schwinden und die Weltbevölkerung auf einem Höchststand ist.“

„Angesichts der erschütternden Dringlichkeit der Lage [der Flüchtlinge] ergriff Präsident Roosevelt die Initiative und berief dieses Treffen in Évian ein.“

„Die amerikanische Regierung ist stolz auf die Liberalität ihrer bestehenden Gesetze und Praktiken. Das gilt in Bezug auf die Zahl der Einwanderer, welche die Vereinigten Staaten jedes Jahr in ihre Bevölkerung integrieren. Es gilt auch in Bezug auf die Behandlung dieser Menschen nach ihrer Ankunft … Die amerikanische Regierung hat Schritte unternommen, um sowohl die deutsche als auch die frühere österreichische Quote zusammenzulegen. Im Rahmen des deutschen Kontingents können nun insgesamt 27.370 Einwanderer innerhalb eines Jahres in die Vereinigten Staaten einreisen.“

„[D]iskriminierung von und Druck auf Minderheiten sowie die Missachtung elementarer Menschenrechte stehen im Widerspruch zu den Grundsätzen dessen, was unserer Auffassung nach akzeptierte Zivilisationsstandards sind.“

Faktoren, die die öffentliche und politische Meinung über die Einwanderung in den 1930er Jahren beeinflussten

Die USA haben eine isolationistische Einstellung, also die Tendenz, sich von der Außenwelt und internationalen Verpflichtungen abzuschotten. Zudem herrscht die Vorstellung, dass es für die USA am besten wäre, sich stattdessen auf die eigenen Interessen und Bedürfnisse zu konzentrieren. Einige halten die Verfolgung der Juden in Nazi-Deutschland für eine innerdeutsche Angelegenheit, in die sich die Vereinigten Staaten nicht einmischen sollten.

Andere haben Sicherheitsbedenken gegenüber der Zulassung von Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland, etwa dass Nazi-Spione zusammen mit den Einwanderern einreisen könnten.

Manche halten den Bolschewismus für die größte Bedrohung der Welt. Über die Verfolgung der Juden in Nazi-Deutschland hinwegzusehen, ist der Preis, der gezahlt werden muss, um Deutschland bei seinem Kampf gegen den Bolschewismus zu unterstützen.

In der amerikanischen Gesellschaft und bei den Regierungsberatern gibt es teilweise einen gewissen Antisemitismus.

Einige argumentieren, dass die Vereinigten Staaten ja die Konferenz initiiert haben und im Vergleich zu anderen Ländern bereits über eine recht großzügige Einwanderungsquote verfügen. Die USA sollten deshalb nicht noch weiter gedrängt werden, Flüchtlinge aufzunehmen.

Es gibt wirtschaftliche Bedenken: Die Flüchtlinge würden mit US-amerikanischen Bürgerinnen und Bürgern um Ressourcen (wie Arbeitsplätze, Geld, Lebensmittel, Wohnraum usw.) konkurrieren. Die wirtschaftliche Situation ist – insbesondere nach der „Great Depression“ – schlecht. Aktuell gibt es in den USA 10-14 Millionen Arbeitslose.

Betrachten wir die öffentliche Meinung in den USA zur Zeit der Konferenz von Évian:

Es sollte eine weitere jüdische Massenmigration vermieden werden. Im Hinblick auf die Konferenz von Évian war es deshalb für die amerikanische Delegation wichtig, die Hilfe auf deutsche und österreichische Menschen zu beschränken, die als Juden verfolgt werden. Die Konferenz muss sicherstellen, dass sie kein falsches Signal an andere Länder mit antisemitischer Politik sendet (z. B. Rumänien, Ungarn und Polen). Solche Länder könnten denken, dass die Vertreibung und Verarmung ihrer jüdischen Bürgerinnen und Bürger legitim ist, denn es wären ja andere Länder bereit, sie aufzunehmen.

In Wirklichkeit wurden bis 1937 Einwanderungsvisa nur an Personen erteilt, die nachweisen konnten, dass sie mindestens 1.000 USD besitzen, und die Einwanderungsquoten wurden nicht einmal ausgeschöpft. Nach dem Druck, mehr jüdischen Flüchtlingen die Einreise in die USA zu ermöglichen, wurde 1937 eine Anweisung erteilt, die Einwanderungsquoten auszuschöpfen.

Quellen

Ernst G. (Hg.), Ernst G. Löwenthal, Hans Oppenheimer (Redaktion): Philo-Atlas Handbuch für jüdische Auswanderung, Phil GmbH Jüdischer Buchverlag, Berlin 1938.

Verbatim Record of the Plenary Meetings of the Committee. Resolutions and Reports – Proceedings of the Intergovernmental Committee, Evian, 6. bis 15. Juli 1938, Leo Baeck Institute New York: Robert Weltsch Collection, 1770-1997, AR 7185 / MF 491.

Hans Habe: Die Mission, 1966.

Relico-Committee for Relief of the War-Stricken Jewish Population, World Jewish Congress, Geneva: Rules for emigration to various countries, anlässlich des ersten Jahrestages der Konferenz von  Évian (Juli 1938-Juli 1939) erstelltes Dokument.

http://countrystudies.us/united-states

Fritz Kieffer: Judenverfolgung in Deutschland – eine innere Angelegenheit? Internationale Reaktionen auf die Flüchtlingsproblematik 1933-1939, Stuttgart 2002.

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