HomeModul EvianPhase 3: RückschlüsseAB - Jordanien (2014)

Arbeitsblatt - Jordanien (2014)

Der jordanische Delegierte skizzierte 2014 bei einer Konferenz in Berlin die Probleme seines Landes im Umgang mit dem Zustrom von Flüchtlingen aus Syrien.

Lesen Sie den Auszug aus seiner Rede mit folgender Frage im Hinterkopf: „Welche Bedenken berechtigen oder berechtigen nicht zur Zurückweisung von Flüchtlingen?“

Rede von Nasser Judeh, Minister für auswärtige Angelegenheiten und im Ausland lebende Staatsangehörige des Haschemitischen Königreichs Jordanien

vorgetragen bei der

„Konferenz zur Lage der syrischen Flüchtlinge: Stabilität in der Region stärken“

Berlin, 28. Oktober 2014

„Jordanien beherbergt heute etwa 1,5 Millionen Syrer. Mehr als 600.000 von ihnen reisten nach Beginn des Konflikts ein, und weniger als 9% von ihnen lebt in Flüchtlingslagern. Der reine Bevölkerungszuwachs übersteigt – in jeglicher Hinsicht – die Mittel oder Kapazitäten eines jeden Landes, ungeachtet von dessen wirtschaftlicher Leistungskraft. Durch die Aufnahme von mehr als 140.000 syrischen Schülern hat unser Bildungssystem einen Schock erfahren. Dieser bedingte die Zurückstellung von Reformvorhaben in den Bereichen Entwicklung und Bildung. Er verschob den Fokus auf die Überfüllung von Klassenzimmern und auf Doppelschichten in einigen Schulen. Einen ähnlichen Schock erlitt unser Gesundheitssystem: Die Zahl syrischer Flüchtlinge, die zur Behandlung öffentliche Krankenhäuser aufsuchen, hat sich um fast 250% erhöht. Die Fallzahlen, bei denen chirurgische Eingriffe in staatlichen Krankenhäusern erforderlich sind, haben sich um beinahe 600% erhöht…

Für das in Bezug auf Wasserressourcen viertärmste Land ist ein Anstieg des Wasserbedarfs um 16% für 2014 auf lange Sicht eine existenzielle Frage, da diese nicht-erneuerbare Ressource infolge der Aufnahme syrischer Flüchtlinge in einer solch hohen Geschwindigkeit verbraucht wird. Die Kluft zwischen den verfügbaren Ressourcen und der Nachfrage weitet sich deutlich aus. Darüber hinaus hat die Belastung für die Infrastruktur zur Wasser- und Abwasserbehandlung ein nie da gewesenes und untragbares Niveau erreicht.

Zusätzlich zu diesen drei fundamentalen Sektoren bestehen Auswirkungen über die gesamte Breite der Wirtschaft des Landes, die staatlichen Dienstleistungen, seine Infrastruktur, Sicherheit und Ressourcen. Wir bewegen uns auf eine „Ermüdung des aufnehmenden Landes“ zu, bei der die Grenzen unserer Fähigkeit, auf die Bedürfnisse syrischer Flüchtlinge einzugehen, erreicht werden. (…) Da die Zahlen auf ein unvorstellbares Niveau ansteigen, beginnt der Wettbewerb um Raum, Dienstleistungen, Arbeitsplätze oder Chancen Friktionen hervorzurufen.

Wenn die Mieten in bestimmten Gebieten Jordaniens wegen der syrischen Flüchtlinge um 300% steigen, werden die Belastungen für die lokale Bevölkerung unerträglich. Die Überbelegung von Klassenzimmern hat sich auf 41% der Schulen erhöht. In den nordjordanischen Krankenhäusern liegt die Bettenbelegung bei 95%. Auch dies sind deutliche Signale dafür, dass die Fähigkeit zum Teilen an ihre Grenzen gestoßen ist.
Noch gravierender ist der Wettbewerb um Beschäftigungsmöglichkeiten. Syrer haben in diesem Jahr nicht nur 130.000 Arbeitsplätze angenommen, sondern ersetzen langsam auch Jordanier auf dem Arbeitsmarkt. Damit legen sie die Saat für Spannungen zwischen der Aufnahmegesellschaft und den Flüchtlingen…

In den ersten Phasen der Krise war es die jordanische Aufnahmegesellschaft, die sich um die Bedürfnisse der Syrer kümmerte, als diese 2011 nach Jordanien einreisten. Heute läuft genau dieselbe Gesellschaft Gefahr, als Folge ihrer anfänglichen Aufnahme und Gastfreundschaft zu verelenden. Bis zur Umsetzung einer politischen Lösung für die Syrienkrise, welche eine (…) günstige Umgebung für die Rückkehr der Flüchtlinge in ihre Heimat bietet, besteht ein dringender Bedarf nach einer stärkeren internationalen Unterstützung für die aufnehmenden Länder. (…) Die internationale Gemeinschaft muss Jordanien helfen, diese enorme Belastung zu tragen.“

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